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Texas Notes 2004

Di, 26. 10.

Abflug um 11h nach wodschinken, die einzige Hauptstadt der welt, die nach einem Gulaschfleisch benannt ist. Neben mir ein untergrosser Ami, der mit seiner Mutter dauernd steirisch spricht. sein Hemd traegt die Aufschrift: North California Accordeon Society. er hat mir beigebracht, was wodschunken auf amareganisch heisst, ich habe es gleich wieder verdraengt. Ankunft in Austin um 8 am abend, 3 in der frueh in Wien. Ur -heiss, ca 25 Grad und so schwuel! John holt mich ab und wir fahren nach Lockhart, wo er auf ca 400 m2 alleine in einem alten Haus wohnt. Es hat 4 Eingaenge und 9 Ventilatoren.

Mi 27. 10.

Ich beginne ein Buch zu lesen, John Grisham (Johann,grauer SChinken)The Testament, ich verstehe jedes Wort ausser Sobriety, kein Wunder, das bedeutet auch Nuechternheit. Ich fahre einige Zeit mit dem Rad herum, es ist echt flach hier, also viel bequemer als vom Funkhaus zu mir nach Hause, da geht es naemlich beim Rueckweg ur-bergauf. Und alle schauen mich aus ihren Autos so komisch an und gruessen mit einem Grinsen. John meint, das komme daher, dass hier niemand ueber 13 Jahre mit dem Fahrrad faehrt. Na bitte.
Do 28.10.

Ich ruiniere eine Heizspirale auf Johns Elektroherd und wir fahren ca 30 Meilen von einem Installateur zum anderen, um Ersatz zu finden. Is nicht, kein Wunder, der Herd ist aus 1952!!!!
Fr 29.10.

um 9h frueh mein Telefonat mit OE1, Religionsredaktion wegen meiner Geschichte ueber Religion, kirche in TX und den Wahlen. Nachmittags Gitarre-Jam bei meinem Freund Mike Bush (der uneheliche Sohn des noch immer Praesidenten!). Wir essen makrobiotisch und trinken brasilianisch (capirinha), das is echt supa, weil 10 Limonen kosten nur 1 Dollar (80 Eurocent)
Sa. 30.10.

Morgens um 10h erster Auftritt im Austin Farmer's Market. Eine Frau kommt auf mich zu und fragt, was ein Wiener denn in TX mache. Sie stammt aus dem 9ten Bezirk und lebt hier. Gut endlich wieder eine schoene Sprache zu hoeren. Wir verabreden uns fuer naechste Woche, sie muesse jetzt weg, ihr Baby warte. Ich kaufe einen Bund Basilikum, zwei $! Dann nach Fredericksburg, einer deutschen Siedlung, wo die alten Damen noch Deutsch sprechen und was fuer eines! Ich sage: Ich komme aus Wien!, sie verstehen: from Eden? Ein bisschen TX-wein verkostet, ich sage nur, es lebe der Veltliner! Am Abend Auftitt bei einer Party fuer reiche Zuagraste, wohl kein einziger Democrat unter ihnen, eine Dame sagt zu mir: so you are from Austria? Ich, Yes, Arnold is in California, I am conquering Texas!, Sie: Arnold is ok, but he should never have married that democratic woman!
So 31.10.

Halloween Schon seit Wochen ueberall Gespenster, Spinnweben und leuchtende Kuerbisse ueberall, wie im Musikantenstadl! Um 10:30 bin ich in der First Baptist Church of Lockhart, um dem Gottesdienst beizuwohnen (ich mache da eine Geschichte fuer OE1) Der Pfarrer imInterview: the US is built on the principles of Jesus Christ. Ich denke nur an die Indianer und die afrikanischen Sklaven, die das bestimmt auch so sehen werden. Beim demokratischen Hauptquartier fuer Caldwell County (da samma) komme ich vorbei, um die Kandidatin fuer das District Judge Amt zu interviewen. Sie ist nicht da, aber man leiht extra fuer mich die DVD Farenheit 9/11 in der lokalen Videothek aus. Ein echt schlechter Propagandafilm, den wohl kein Republikaner je zu Gesicht bekommen will. Aber die Eingangssequenz mit dem betropetzten Bush, als er vom 2ten Flugzeug im WTT Center erfaehrt, hat mir dann doch gut gefallen! Wenn Gesichter sprechen koennten! Ich sehe Mike Montgomery, meinen Fiddle-freund nach 14 Monaten wieder, er ist noch immer so wie frueher! Wir jammen was das Zeug haelt alte Fiddle Tunes und Bob Wills Music, dazu trinken wir Lonestar beer, auch keine Offenbarung, aber die Flasche ist echt huebsch! dann gibt es noch BBQ, also Fleisch vom Ochsen, auf Packpapier und ohne Gabel! 10 $ fuer 3 Leute, eine Mezzie. Uebrigens Fleisch ist urbillig hier, und auch Cola und Polyester T-Shirts. Die gesunden Sachen sind alle teuer. Spinat, das Kilo 6 $, Pararadeiserser 5 $, und Soda gibt es nur in der Literflasche nicht unter 80 cent. Na toll
Mo 1.11.

Es regnet leicht, welch Wohltat, nach fuenf Tagen Hochsommer. Zu mittag koche ich Tacos mit Schafkaese und Spinat. Es kommt gut an. Ich telefoniere ur viel wegen meines Workshops am Donnerstag im Texas Museum of Music in einem Ort, der so heisst wie ich, naemlich GRUENE. Deswegen bin ich eigentlich hier. Ich kaufe im Wal-mart eine DVD mit 4 John Wayne Filmen um 5 Dollares, die Filme sind so lala, aber OK. Weiters eine DVD/4 Filme vom Singing Cowboy Roy Rogers aus den 40er JAhren, ein Film heisst: The yellow rose of TX, und der Held reitet 3 Tage und Naechte durch die Praerie, um am vierten Tag mit gebuegeltem und blitzsauberem Hemd ein Liedchen anzustimmen. Das gefaellt George W. sicher. So ist seine Welt,.... ist meine auch so?
Di, 2.11.

Election day, schion in der frueh sind die NAchrichten voll mit den ersten Berichten, man hat schon fast genug. Jay Leno gestern abend: Egal, wer gewinnt, Hauptsache die Campagne ist vorbei. So fuehlen die Amis auch. Im Democraten HAuptquartier in Lockhart, wo ich noch immer wohne, ist die Hoelle los, die eine Dame, der ich dort schon ein Glas Wasser abschnorren konnte, tippt auf 304 Wahlmanenner fuer Kerry, na die war dann schwer enttauscht. Am Abend Auftritt im beruehmtesten Honky-Tonk der Stadt, dem Broken Spoke Saloon. Hier hat schon Bob Wills gespielt und eine seiner gerauchten Zigarren liegt in einem glaesernen Schaukasten neben Willie Nelsons gerissener Gitarrensaite und Lyle Lovetts HUt. Nebenbei laeuft TV mit Wahlberichten, manche sind happy, andere ur-enttaeuscht.
Mi, 3.11.

Ich habe bei Mike Montgomery in Austin uebernachtet, wo ich ab sofort wohne, in der Frueh kaufe ich mir im Univiertel ein ur-kitschiges Baumwoll(!)Western shirt, gebraucht um 18$ ( das sind nach den letzten Abstuerzen des Dollar gerade noch 180 SChilling! Ich treffe zum mexicanischen Mittagessen meinen Compadre musicale Mike Bush (des Geldes wegen leider nicht verwandt, des Rufes wegen Gott sei
Dank!)
Dann zu ihm, jammen und fuer seine CD aufnehmen. In der Zwischenzeit hat Kerry "conceted" und Busch ist wie ein eitler Truthahn vor die Kameras getreten um seinen Sieg zu verkuenden, und dass Amerika ja so toll sei (ist es auch, wie toll waere es erst ohne den einen oder anderen
Politiker)
Der erste Auftritt am Abend 7-9 in einem SChwulenlokal namens Extreme, wo die besten Steaks mit Baked potatoe und Salat so viel man will gerade einmal 6 Dollar kosten. Dann ab in den Broken spoke, wo wir fuer eine andere BAnd einspringen, wahrscheinlich hat sich derjenige aus Frust einen einergekurbelt und ist nun bewusstlos. Broken Spoke ist eigentlich eine versiffte Huette mit kaputter Klotuer( das war sie schon bei meiner letzten Visite) und einem lausigen Essen, aber die Kellnerin erinnert sich, dass ich gestern kein Fleisch ass und mein Wasser ohne Eis trinke, da ziehe ich meinen Hut, den ich erst vorgestern bei einer 24/7 Tankstelle gekauft habe.

Do, 4.11.

Heute ist mein grosser Tag, Worshop in Gruene. Ich fahre mit John Hood dorthin und wir kommen an dem huebschen Ort New Braunfels vorbei, wo gerade das alljaehrliche Wurstfest steigt. Um-pah Musik aus Deutschland eingeflogen und das Bier ebenso wie die Wuerste, die Amis blunzenfett schon um 14h, als wir vorbeikommen. Der Workshop: superaufmerksames Publikum, vielleicht 25 LEute, davon ca 10 Gitarristen/innen, am Abend noch der Gig fuer das Radio dort. als ich das Poster mit der Ankuendigung ergattere traue ich meinen AUgen kaum. Angekuendigt bin ich als Oliver Gruen, renowned Guitarist from Vienna, Germany!
Fr, 5.11.

Heute war nicht viel los, ein bisschen relaxen, Freunde treffen, tortillas kochen und Lone Star Beer trinken. Fuer meine Freundin Karin Herschey's schokolade suchen, aber vergebens. Was ich fuer meine Freundin MAria suche und auch nciht finde, verschweige ich hier ganz dezent. Ich treffe meinen Freund Mike Bush wieder, wir musizieren. Am Abend gehen wir ins Cactus Cafe im Uni Campus, um John Hammond zu sehen, mit meiner tollen Visitenkarte, die mich als "Music commentator from Europe for Austrian and German TV" anpreist, komme ich gleich zu dritt gratis hinein, das erpart jedem von uns 17 $! Ich treffe die Steelerin Cindy Cashdollar und werde vom betrunkenen Chef des Lokals nach meinem Interview mit ihm auch zum morgigen Konzert mit Del Mc Coury eingeladen. Was Hammond und Cashdollar (Ihr richtiger name!, sie stammt von Indianern ab)ueber AUstria wissen beschraenkt sich auf Hans Theesink, mit dem Cindy hier im im August gepielt hat.. Na wenigstens bleiben mir diesmal die Kaenguruhs erspart.
Sa, 6.11.

Am Abend ein Auftitt in einer Kleinstadt namens Luling (!) Wer lacht da? ich lerne den Orst-Polizisten kennnen, Deputy Chief, ein Typ wie Michael Haeupl, er erzaehlt Schnurren aus seinem Dienstleben, es ist zum bruellen, er ist viel lustiger als Alfred Dorfer, Roland Dueringer und die besonders beliebten Monica Weinzettel und Andrea Haendler zusammen! Auf die Frage, ob es noch Gefaengnisse bei der Polizeistation gibt, sagt er no. Darauf ich: well you execute everybody right awy, don't you? Und er: that's right, son, no waiting here, we're in Texas, boy. Ich arrangiere ihn bei der naechsten Reise wiederzutreffen um eine Geschichte ueber den Polizeinachtdienst zu machen. Dann schnell nach AUstin zurueck ins Cactus Cafe zu Del McCoury, wieder keinen Eintritt bezahlt und so 2X 25$ gespart, ich liebe meinen Beruf!
So 7.11.

Morgens um 10:30 in der Ebenezer BAptistenkirche in der east thenth street, eine schwarze community. Im Buero gebe ich meine Karte ab, die der Reverend, Dr. Marvin Griffein, dann erhaelt. Dann heisst es waehrend des Service auf einmal, wer denn als Gast hier sei, ich zeige auf und postwendend erhalte ich ein Kaertchen zum ausfuellen. da steht drauf: Mr., Mrs und Dr. und wo und warum und so halt. Ich fuelle meinen NAmen aus und gebe die KArte wieder ab. Der Rev erhaelt
sie und fordert mich auf, aufzustehen. Ich tue wie befohlen, und auf einmal soll ich dann nach vor kommen und zu den Leuten etwas sagen. Ich, der einzige Weisse unter 150 xackelten Schwarzen vor mir und den 3 Priestern und dem 30 koepfigen Chor im Hintergrund. Na da war ich gleich ur-nervoes und habe halt erzaehlt, dass ich als Journalist fuer Public Radio (oeffentl rechtl) auf der Suche war nach einer schwarzen Kirche (ich sage "black" statt äfro-american" und niemand stoesst sich daran) A friend mentioned, sage ich, said I should check out east tenth street, they got the rockiest little black baptist church you can find in town. Das Publikum reagiert wie im Blues Brothers film und von mir erwartet mit lauter Zustimmung: yeah, that's right und Hallelujah brother. Ich habe eine Gaensehaut. Im Anschluss interviewe ich die KLavierspielerin, eine Gesangsprofessorin an der Uni, und sie spielt mir etwas am Klavier vor und singt dazu "fighting for the Lord" Ich habe schon wieder eine Gaensehaut! Der Rev bringt mich dann zu Artz Rib House auf South Lamar, wo eine Session stattfindet.
Mo. 8.11.

Ich werde zu mittag von Jim Waley, einem Guguruz-bauern/Car Repair Shop Owner abgeholt, der mir letztes Jahr versprochen hat, er zeige mir eine Gegend, die selbst John Wayne noch nie gesehen hat. Mitten drinnen bricht sein auto zusammen und wir werden abgeschleppt. Jim kann dann seinen Truck selbst reparieren, wir essen Barbeque und ich uebernachte bei ihm.
Die, 9.11.

Morgens in seinen Shop, ich fahre mit seinem Traktor, einem 1954 John Deere (!) ein paar Runden. Abends gehen Mike und ich ins Ego's, wo der unglaubliche Telegitarrist Redd Volkaert (er nahm auf und tourte mit Merle Haggard) auftritt, ich bin hin und weg.
Mi, 10.11.

Mein letzter Tag. Ich packe alles zusammen, Buecher und CDs, Hemden, einen Western Anzug, Zeitungen, und sonstige Mitbringsel, um 11h kommt Mike Bush mit seinem Lap top und wir nehmen wieder fuer seine CD auf. Am NAchmittag auf die Uni, University of Texas, die groesste der Welt mit 56.000 Studenten. Ich interviewe den Vice president (ich mache da eine Gechichte fuer OE1) Am Abend dann in den Broken Spoke Saloon zur 40 JAhr Feier, wo wir eine halbe Stunde auftreten werden. Wie das war, schreibe ich dann erst in Wien auf!
Mi, 10.11.

Nov abends

Broken Spoke Saloon, 40th anniversary
Der wohl beruehmteste Honky Tonk in Austin, und ein Paradies an Western Swing und Honky Tonk Music. Der Parkplatz gerammelt voll mit Trucks und Amischlitten, drinnen ebenso voller Huete und Stiefel. Kein vergnuegen fuer Musiker war die Tatsache, dass dort Gott und die Welt vorbeischauten. Auf der Buehne die texanische Elite: Cornell Hurd mit Howard Kalish, fiddle, Gary P. Nunn, Alvin Crow, Jerry Jeff Walker, Dale Watson, Redd Volkaert und natuerlich HTML (Hard to make a living), die Band mit der ich hier immer auftrete. Der Sound katastrophal, vom Dobro war nichts zu hoeren, nur die beiden verstaerkten fiddles, na ja macht nix. Ein Bier kostet 4 $ (!), sonst kostet es 2,50$.
Im Anschluss dann zu Mike Bush, wir haben noch bis 4 in der Frueh gefeiert.
 
Do,11.11

 
Faschingsbeginn, Martini, Jungweintaufe - alles versäumt, aber was solls!
Um 9:30 war ich auf dem Bergstroem int´l Airport im Sueden der Stadt.. Beim Kafeetrinken haben Mike und ich dann den Bluegrass Multiinstrumentalisten Tim O`Brienaus Nashville getroffen, er kam extra fuer ein Konzert im Cactus Cafe, wo ich ein paar Tage vorher John Hammond und Del Mc Coury sah.
Der Flug echt fad, im Bord-Kino spielten sie den Film, in dem Tom Hanks auf dem Flughafen strandet, weil er nicht in die USA einreisen darf, echt geschmackvoll.
 
Fr,12.11

 
Ankunft wie geplant um 09:00, auf meine Gitarre rund eine halbe Stunde gewartet, aber damit musste ich rechnen, was ich aber nicht habe!
Total muede und erschoepft jet-gelagt und down-gegradet, am abend dann die Vinzenzgala im Technischen Museum gespielt mit Otahal und Chromy, endlich wieder bekannte Gesichter!

Und jetzt bin ich also wieder da.

So long Saddle pals and a great big western Howdy!

 

 


 


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